Bevor man einen Vertrag unterschreibt oder ein Projekt für Solarpanels startet, benötigt man eine zuverlässige Information: zu wissen, wie lange die Sonne tatsächlich jede Fassade beschießt. Ein Besuch um Mittag an einem schönen Tag reicht nicht aus. Google Earth, mit seinen Satellitenansichten und Messwerkzeugen, ermöglicht es, Ausrichtung, Relief und Schattenwurf zu analysieren, ohne das Büro zu verlassen.
Schattenwurf und Relief: Was Google Earth vor einem Vor-Ort-Besuch zeigt
Der erste Reflex, wenn man die Sonneneinstrahlung einer Immobilie sucht, ist, die Ausrichtung zu betrachten. Süden, Südwesten, genau Norden. Google Maps ermöglicht dies bereits, da der Norden immer oben auf dem Bildschirm ist. Google Earth geht weiter.
Indem man den 3D-Modus aktiviert und die Ansicht neigt, visualisiert man das Relief rund um die Immobilie: einen Hügel im Osten, ein höheres Nachbargebäude, eine Reihe von alten Bäumen im Süden. Diese Elemente erzeugen Sonnenmasken, die die tatsächliche Sonneneinstrahlung deutlich unter dem liegen lassen, was die theoretische Ausrichtung vermuten lässt.
Konkrete Schritte: Man lokalisiert das Grundstück in der Satellitenansicht und wechselt dann in den 3D-Modus. Man dreht die Kamera, um die Hindernisse aus verschiedenen Winkeln zu beobachten. Das Messwerkzeug von Google Earth ermöglicht es, die Entfernung zwischen einem Nachbargebäude und der betrachteten Fassade zu messen, was einen ersten Eindruck von der Winkelhöhe des Hindernisses vermittelt.
Man kann auch eine Sonneneinstrahlungskarte mit Google Earth konsultieren, um diese visuelle Analyse mit lokalen Klimadaten zu ergänzen und besser zu verstehen, wie das Klima die Zielimmobilie beeinflusst.

Die Sonnenbahn auf Google Earth simulieren: Schritt-für-Schritt-Methode
Google Earth Pro (die kostenlose Version für Computer) enthält eine oft übersehene Funktion: den Sonnen-Simulationsregler. Man erreicht ihn über das Menü Ansicht, dann Sonne. Ein Zeitregler erscheint oben auf dem Bildschirm.
Datum und Uhrzeit einstellen, um die Schatten zu beobachten
Zuerst wählt man ein repräsentatives Datum. Um den schlimmsten Fall zu bewerten, wählt man die Wintersonnenwende (Ende Dezember auf der Nordhalbkugel). Für den besten Fall die Sommersonnenwende. Dann schiebt man den Regler stundenweise und beobachtet, wie sich die Schatten über das Grundstück bewegen.
- Wintersonnenwende, 9 Uhr: Überprüfen, ob die Südseite bereits Sonne erhält oder ob ein Hindernis sie bis spät am Morgen verdeckt
- Wintersonnenwende, 15 Uhr: Beobachten, wann der Schatten eines Nachbargebäudes oder eines Hügels den Garten bedeckt
- Sommersonnenwende, 7 Uhr und 20 Uhr: Die tatsächliche Dauer des sonnigen Tages auf dem Grundstück messen
- Tagundnachtgleichen (März, September): Eine Zwischenlage erhalten, die näher am Jahresdurchschnitt liegt
Diese Simulation bleibt ungefähren, da Google Earth die Gebäude in 3D aus photogrammetrischen Daten modelliert, deren Genauigkeit je nach Gebiet variiert. In dicht besiedelten Stadtzentren sind die Modelle oft treu. In ländlichen oder vorstädtischen Gebieten könnten einige Bäume oder Scheunen im 3D-Modell fehlen, was das Ergebnis verfälscht.
Aufnahmen speichern, um mehrere Immobilien zu vergleichen
Man kann zu jeder entscheidenden Stunde einen Screenshot machen und diese in einem Dokument zusammenfügen. Im Vergleich von zwei Immobilien erkennt man schnell, welche länger direktes Sonnenlicht im Winter erhält, was sich auf den thermischen Komfort und die Heizkosten auswirkt.

Google Earth und Solarpanels: Das Potenzial eines Daches einschätzen
Für ein Photovoltaikprojekt sind die Ausrichtung und der Neigungswinkel des Daches ebenso wichtig wie das Fehlen von Schatten. Google Earth ermöglicht es, beides zu messen.
Mit dem Flächenmesswerkzeug zeichnet man die Kontur des betreffenden Dachbereichs nach, um die verfügbare Fläche zu schätzen. Im 3D-Modus bewertet man visuell die Neigung (ein flaches Dach, eine sanfte Neigung, eine steile Neigung). Es ist keine Grad-genaue Messung, aber es reicht aus, um ein schlecht ausgerichtetes Dach auszuschließen, bevor man eine Diagnose bezahlt.
Man kombiniert diese Information dann mit der oben beschriebenen Sonnensimulation. Wenn die Südwestseite um 14 Uhr im Dezember wegen eines Nachbargebäudes die Sonne verliert, wird die Winterproduktion erheblich reduziert. Es ist besser, dies zu wissen, bevor man einen Kostenvoranschlag von einem Installateur anfordert.
Die Solar-API von Google, die über die Google Maps Platform verfügbar ist, führt diese Logik weiter, indem sie automatisch das Solar-Potenzial eines Daches aus Daten zur Bestrahlung berechnet. Der Zugang ist technisch (für Entwickler gedacht), aber mehrere Online-Simulatoren für die breite Öffentlichkeit nutzen sie, darunter die regionalen Solarkataster.
Grenzen von Google Earth für die Sonneneinstrahlungsanalyse
Google Earth bietet einen soliden ersten Filter, kein endgültiges Diagnosewerkzeug. Einige Punkte, die man im Hinterkopf behalten sollte:
- Die Satellitenbilder sind manchmal mehrere Jahre alt: Ein gefällter Baum oder ein kürzlich errichtetes Gebäude könnte nicht sichtbar sein
- Die 3D-Modellierung fehlt an Genauigkeit in dünn besiedelten Gebieten, was die Schattenwürfe weniger zuverlässig macht
- Die Software berücksichtigt nicht die lokale Bewölkung oder das Mikroklima (häufiger Nebel im Tal, zum Beispiel)
Eine Überprüfung vor Ort bleibt notwendig für jedes Projekt, das ein Budget in Anspruch nimmt, sei es für Solarpanels oder einen Immobilienkauf. Man kann die Analyse mit einem klassischen Kompass ergänzen und für Photovoltaikprojekte eine Maskenerhebung von einem Fachmann mit einem speziellen Gerät durchführen lassen.
Google Earth funktioniert besser als Werkzeug zur Vorauswahl. Man schließt schnell Immobilien aus, deren bauliche Umgebung oder Relief die Sonneneinstrahlung beeinträchtigen, und konzentriert die Vor-Ort-Besuche auf die Immobilien, die diesen ersten Filter bestehen. Auf einem Markt, in dem Anzeigen selten Sonnenmasken erwähnen, ist das ein konkreter Vorteil, noch bevor man ins Auto steigt.



