Wenn man in eine der 19 Gemeinden der Rheinebene zieht, besteht die erste Schwierigkeit nicht darin, eine Bäckerei zu finden, sondern zu wissen, an wen man sich bei Fragen zur Abfallentsorgung, zur Anmeldung in der Krippe oder zum Anschluss wenden kann.
Die Gemeinschaft der Gemeinden der Rheinebene (CCPR), deren Sitz sich in Beinheim befindet, umfasst etwa 18.400 Einwohner auf rund 150 km² im äußersten Nordosten der Europäischen Gemeinschaft Alsace, entlang der deutschen Grenze. Ihre Rolle geht weit über die Verwaltung hinaus: Sie strukturiert den Alltag der Bewohner in so unterschiedlichen Themen wie frühkindliche Betreuung, Wohnraum oder Mobilität.
Einheitliches Büro und Zugang zu den Dienstleistungen im rheinhessischen Gebiet
Vor der Einführung des Willkommensheftes der CCPR, das im Sommer 2026 veröffentlicht wurde, musste jeder Neuankömmling zwischen dem Rathaus seiner Gemeinde, den interkommunalen Diensten und externen Partnern navigieren. Das Heft formalisiert eine Logik des einheitlichen Eingangs für lokale Informationen: Ein einziges Dokument fasst die Kompetenzen der Gemeinschaft, nützliche Kontakte und gängige Verfahren zusammen.
Konkret wird die CCPR von einem Rat aus 31 gewählten Mitgliedern verwaltet, mit einer proportionalen Vertretung entsprechend der Bevölkerung jeder Gemeinde (ein Sitz pro angefangene 1.000 Einwohner). Seltz hat 5 Sitze, Lauterbourg 4, Beinheim und Mothern jeweils 3. Die 14 übrigen Gemeinden entsenden jeweils einen Vertreter. Alle praktischen Informationen, von den Pflichtkompetenzen bis zu den kulturellen Aktivitäten, sind auf cc-rhin.fr einsehbar, das als digitaler Zugangspunkt zum Gebiet dient.

Interkommunale Kompetenzen im Elsass: Was die CCPR im Alltag verwaltet
Man unterscheidet drei Ebenen von Kompetenzen in einer Gemeinschaft von Gemeinden: Pflicht-, Wahl- und fakultative Kompetenzen. Vor Ort hat diese Hierarchie direkte Auswirkungen auf die Dienstleistungen, auf die man zugreifen kann, ohne über das Rathaus zu gehen.
Pflicht- und Wahlkompetenzen
Wirtschaftliche Entwicklung und Raumordnung gehören zum Pflichtbereich. Die CCPR ist auch in der Abfallentsorgung und -behandlung sowie in der Verwaltung von gemeinsam genutzten Sport- und Kultureinrichtungen tätig.
Im Wahlbereich sind frühkindliche Betreuung und die außerschulische Betreuung ein besonders sichtbarer Aspekt für Familien. Das Gebiet bietet Betreuungsstrukturen, deren Koordination auf interkommunaler Ebene erfolgt, was Doppelarbeit zwischen benachbarten Gemeinden vermeidet.
Fakultative Kompetenzen und Partnerschaften
Die CCPR hat sich entschieden, fakultative Kompetenzen im Bereich kultureller Aktivitäten und Partnerschaften mit externen Strukturen auszuüben. Hier finden sich kulturelle Vermittlungsaktionen und Kooperationen mit lokalen Vereinen, die je nach Saison und verfügbaren Mitteln variieren.
- Wirtschaftliche Entwicklung und Raumordnung (pflichtig)
- Abfallentsorgung und Verwaltung von Sporteinrichtungen (pflichtig und wahlweise)
- Frühkindliche Betreuung, außerschulische Betreuung und Familienbetreuungsstrukturen (wahlweise)
- Kulturelle Aktivitäten, Vereinspartnerschaften und lokale Animationen (fakultativ)
Gebietsprojekt 2026-2030: Wohnen, Mobilität und Lebensqualität in der Rheinebene
Die von der ADEUS durchgeführte Diagnose für das Gebietsprojekt 2026-2030 hebt ein besonderes demografisches Profil hervor. Die Rheinebene ist ein Gebiet, das familienfreundlicher ist als der Durchschnitt des Unterelsass, mit einer positiven Wanderungsbilanz, aber einer natürlichen Bilanz, die tendenziell negativ wird. Die Anzahl der Geburten reicht nicht mehr aus, um die natürlichen Abgänge auszugleichen, und dennoch wächst der Wohnungsbau weiter.
Dieses scheinbare Paradoxon erklärt sich durch die Wohnattraktivität der Region für bereits bestehende Haushalte, oft aus der Agglomeration Straßburg oder dem Beschäftigungsgebiet von Haguenau. Das Gebietsprojekt zielt darauf ab, diesen Druck auf den Wohnungsmarkt mit den übergemeindlichen Planungsdokumenten (SCoT, PCAET) und den regionalen Prioritäten im Bereich der Energiewende in Einklang zu bringen.
Alltagsmobilität und CO₂-Fußabdruck
Das Gebiet wird von der Transportgesellschaft des Unterelsass (CTBR) bedient, deren Umweltdaten für 2025 zeigen, dass ein im Einsatz befindlicher Bus im Durchschnitt 0,949 kg CO₂ pro Kilometer ausstößt. Diese Zahl ermöglicht den Vergleich der Auswirkungen einer Fahrt mit dem Fernbus mit der einer Fahrt mit dem Individualfahrzeug, eine tägliche Abwägung für die Bewohner der Gemeinden, die weit von Bahnhöfen entfernt sind.
Die Rückmeldungen hierzu variieren: Einige Nutzer finden die Frequenzen ausreichend für den Arbeitsweg, andere sind der Meinung, dass das Auto notwendig bleibt, sobald man die Hauptachsen verlässt. Das Gebietsprojekt 2026-2030 identifiziert Mobilität als zentrales Anliegen, mit dem Ziel, die Verbindungen zwischen den fünf am Rhein gelegenen Gemeinden (Beinheim, Seltz, Munchhausen, Mothern und Lauterbourg) und dem Rest des Netzes zu stärken.

Lokales Leben und gemeinschaftliche Initiativen am Rhein
Über die formalen Kompetenzen hinaus fördert die CCPR ein Netzwerk von Initiativen, die den Lebensraum gestalten. Die kulturellen Aktivitäten, die auf interkommunaler Ebene koordiniert werden, ermöglichen es, Mittel zu bündeln, die die kleineren Gemeinden (Croettwiller, Trimbach, Wintzenbach) nicht alleine mobilisieren könnten.
Die administrative Zugehörigkeit zum Arrondissement von Haguenau-Wissembourg und die Zugehörigkeit zum PETR der nördlichen Rheinstrecke situieren die CCPR in einem größeren territorialen Gefüge. Diese Grenzlage zu Deutschland eröffnet Perspektiven für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, insbesondere in Bezug auf Beschäftigungsfragen und Gesundheitsdienste.
- Fünf Gemeinden direkt am Rhein, mit spezifischen Herausforderungen in der Uferbewirtschaftung und Hochwasserschutz
- Ein PETR, das mit dem Rheingebiet geteilt wird und supra-kommunale Projekte erleichtert
- Starke grenzüberschreitende Partnerschaften mit den benachbarten deutschen Gemeinden, insbesondere rund um Scheibenhard
Das Willkommensheft der CCPR fasst den Ansatz des Gebiets gut zusammen: Information zentralisieren, ohne Entscheidungen zu zentralisieren. Jede Gemeinde behält ihre Identität und ihre eigenen Kompetenzen, während die Interkommunalität das übernimmt, was in größerem Maßstab besser funktioniert. Für die Bewohner bleibt die Herausforderung, genau zu wissen, welchen Ansprechpartner sie kontaktieren müssen, und genau das soll das einheitliche Büro lösen.



